Vorlesungsreihe „Fehler“: Mathematik und die Tücken des Objekts Wirtschaft

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13. Oktober, 19.30h im newthinking store

„Mathematik und die Tücken des Objekts Wirtschaft“ ist die zweite Veranstaltung in der Vorlesungsreihe „Fehler“ von Manuel Bonik und Dr. Andreas Schaale.

Seit Herbst 2008 erschüttert eine Wirtschafts- und Finanzkrise die Welt. Im Januar desselben Jahres hatten sich in Davos die „Wirtschaftsweisen“, Staatschefs und Finanzpolitiker zu ihrem jährlichen Treffen versammelt, um einmal mehr über die Weltwirtschaftslage und ihre Perspektiven zu sprechen: Die Welt war in Ordnung, von einer globalen Krise war nicht die Rede. Offensichtlich kam die Krise überraschend wie ein Tsunami. - In einem Spiegel-Interview erklärt Deutsche-Bank-Chef Joseph Ackermann noch im September 2009, man habe die Risiken der Märkte und so die Ursachen der Krise damals nicht voraussehen können.

Was sagt das über die Wirtschaft und ihre Prognosemodelle, z. B. die Hypothese über die Effizienz der Märkte, wonach Marktteilnehmer a) rational handeln und b) zu jedem Zeitpunkt über den Markt informiert sind? - Die Referenten treten in ihrem Vortrag dem Klischee entgegen, dass Wirtschaft ein Gebiet ist, das von rationalen Mechanismen geprägt ist. Viel zu wenig wird ihres Erachtens auf die irrationalen Aspekte der Märkte geachtet, etwa den „Herdentrieb“ an der Börse, der dazu führt, dass kleine Schwankungen zu starken Schwingungen führen können, zu Volatilitäten, die Märkte auch zusammenbrechen lassen können. Und das ist einer der Gründe, warum selbst die „rationalen“ Argumentationen der Träger von Wirtschafts-Nobelpreisen daneben liegen können; man erinnere sich an den 100-Milliarden-Crash, den 1998 der Fond LCTM von Myrton Scholes erfuhr. Offenbar gibt es eine Diskrepanz zwischen den Modellen der Wirtschaftsexperten und der Realität.

Auch wenn Märkte stärker von Irrationalitäten regiert werden, als das gemeinhin angenommen wird, heisst das nicht, dass sie keinerlei Gesetzen unterliegen. In seinem Buch „Fraktale und Finanzen - Märkte zwischen Risiko, Rendite und Ruin“ (2004) beschreibt der französische Mathematiker Benoît Mandelbrot Märkte als Systeme, die sich bis zu einem gewissen Grade chaostheoretisch darstellen lassen. Kurz gesagt: Um Märkte halbwegs zu verstehen, bedarf es komplexer Mathematik und entsprechender mathematischer Bildung. Und genau diese ist - so ein vorweggenommenes Fazit der Veranstaltung -, was den verantwortlichen Wirtschaftsakteuren häufig fehlt. Ob einer durch Banklehre oder BWL-Studium oder Papas oder Mamas Verbindungen zum Banker oder Manager geworden ist: Er weiß oft genug nicht, was er tut.

Manuel Bonik ist Autor, Künstler und z. Z. Doktorand der Kulturwissenschaften
an der Humboldt-Universität. Dr. Andreas Schaale ist theoretischer
Physiker und Berater namhafter Unternehmen.